Es geht wieder einmal auf Reisen und ich merke immer mehr, wie unzufrieden ich mit meiner Gepäck-Situation bin. Meine Arbeitsmaterialien habe ich entweder in einem Rollkoffer oder in einem Rucksack (dem leider nicht mehr produzierten Overhaul 40 von TNF) – das passt. Für alles andere braucht es zwei Koffer:
- ein kleinen Trolley mit IATA-Maßen für kurze Geschäftsreisen oder Wochenendtrips
- ein großer, leichter, stabiler Trolley für längere Reisen, der den neuen, seit 01.06.2011 gültigen Freigepäck-”Umfang” von 158 cm (L+B+H) maximal ausnutzt.
Ich bin auf der Suche nach dem großen Trolley und habe folgende Anforderungen definiert:
- Größe / Gewicht: Der Koffer soll möglichst exakt 158 cm im “Umfang” betragen, was rund 80-90 Litern Inhalt entspricht und trotzdem so leicht wie möglich sein (6-7 kg). Solange ich insgesamt nicht schwerer als 23 kg (Economy Class; 32 kg Business Class) werde, bewege ich mich so innerhalb der neuen Freigepäck-Grenzen.
- Material: Polycarbonat ist derzeit “das” Material: leicht, verformbar und trotzdem stabil. Dennoch vertraue ich dem Zeug nicht, denn eine scharfe Ecke und Du hast ein Loch im Koffer. Außerdem habe ich schon im Kofferladen gesehen: Die Dinger bekommen schnell Schleifspuren und schauen aus wie Sau. Ich bleibe deshalb lieber bei Aluminium oder Nylon.
- Rollen: Vier. Wer viel unterwegs ist, lernt schnell die Vorteile eines 4-Rollen-Koffers schätzen. Im Zug, auf der Rolltreppe, im Duty-Free-Shop, im Lift: Immer wenn es eng wird ist man einfach flexibler und schneller unterwegs und wenn es ganz fix gehen muss, kann man das Ding immer noch klassisch hinter sich herziehen.
- Ausstattung: Ich gebe zu, dass ich immer viel zu viel mitnehme. Deshalb liebe ich auch viele Innentaschen und die Möglichkeit, den Inhalt z.B. mit Gurten zu fixieren. Außerdem finde ich es praktisch, den (zweiten) Anzug in einem Kleidersack mitzunehmen, der auch in den Koffer passt und vielleicht sogar zur Ausstattung gehört.
- Qualität / Design / Farbe: Ich möchte einen klassischen Business-Koffer in schwarz, grau, silber oder irgendetwas dazwischen. Kein Rot, kein Pink, kein Blau. Das Design soll dabei ebenfalls eher an McKinsey als an McKinley erinnern. Und schließlich soll das Ding ebenso die Turbulenzen eines Interkontinentalflugs wie die Launen eines Arbeiters am Charles-de-Gaulle-Flughafen aushalten.
Bei meinen Recherchen bin ich schnell bei zwei Marken gelandet: Samsonite und Rimowa. Alle anderen scheiden aus diversen Gründen aus. Doch siehe da: Kein Hersteller hat auf den ersten Blick das, wonach ich suche und wofür ich bereit bin, einen Haufen Geld auszugeben und da die Webseiten das Vergleichen echt schwer machen, mach ich das jetzt selbst:
Rimowa bietet in den in Frage kommenden Serien Topas, Silver Integral bzw. Titanium jeweils einen Koffer mit 82 Litern (Gewicht: 6,6 kg, Größe: 75,5 x 51 x 27,5 cm, Umfang: 154 cm) einen (versteckten, aber dazu später mehr) mit 87 Litern (Gewicht: 6,4 kg, Größe: 78 x 52 x 27,5 cm, Umfang: 157,5 cm) und einen mit 104 Litern (Gewicht: 6,8 kg, Größe: 82 x 55 x 27,5 cm, Umfang: 164,5 cm).
Außerdem gäbe es noch den Salsa-Deluxe mit 123 Litern (Gewicht: 7,5 kg, Größe: 74 x 50,5 x 34 cm, Umfang: 158,5 cm), der aber eine Polycarbonat-Hülle hat.
Bei Samsonite kommen eigentlich nur die Serien B-Lite DLX und Pro-DLX3 in Frage. Bei B-Lite-DLX gibt es ein 74 Liter-Modell (Gewicht: 3,54 kg, Größe: 45 x 27 x 67 cm, Umfang: 139 cm) und ein 119 Liter-Modell (Gewicht: 4,4 kg, Größe: 52 x 30 x 78 cm, Umfang: 160 cm). Bei der hochwertigeren Pro-DLX3-Serie gibt es ein 82,5 Liter-Modell (Gewicht: 5,17 kg, Größe: 47 x 29 x 68 cm, Umfang: 144 cm) und ein 130 Liter-Modell (Gewicht: 6,06 kg, Größe: 52 x 32 x 78 cm, Umfang: 162 cm).
Es gäbe aber auch noch einfachere Koffer in anderen Serien: B-Lite 121,6-Liter Spinner (Gewicht: 3,9 kg, Größe: 50 x 30 x 77 cm, Umfang: 157 cm), X-Pression 125-Liter Spinner (Gewicht: 5,48 kg, Größe: 52 x 31 x 76,5 cm, Umfang: 159,5 cm) und den X’Blade Light 90,5-Liter (Gewicht: 4,88 kg, Größe: 44,5 x 30,5 x 71,5 cm, Umfang: 146,5 cm).
Umfang vs. Volumen
Bemerkenswert ist, dass die vergleichbaren 82-Liter-Modelle von Rimowa und Samsonite einen unterschiedlichen Umfang besitzen. Das ist u.a. der Tatsache geschuldet, dass das der Samsonite-Koffer erweiterbar ist und in seiner “kleinen” Variante nur 74,5 Liter fasst. Allerdings spielen auch die Bauart und das “Messverfahren” des Herstellers mit hinein.
Preisvergleich
Niemand sollte tatsächlich den Preis zahlen, der auf einer Hersteller-Webseite zu finden ist. Im örtlichen Kofferladen gibt es die Modelle um etliche Euro preiswerter. Aber um einmal eine grobe Preisvorstellung zu bekommen, vergleiche ich auf koffer-direkt.de die Preise der 82-Liter-Modelle von Rimowa und Samsonite. Ergebnis: 649,00 Euro (“Rimowa Topas Multiwhee Trolley 70″) vs. 329,00 Euro (“Samsonite PRO-DLX 3 4-Rollen-Trolley 68 cm”). Allerdings: Alu vs. Nylon? Eigentlich lassen sich die Koffer von ihrer Ausstattung her nicht vergleichen.
Hersteller-Webseiten und der 87-Liter-Glücksfund
Die Webseiten der beiden Koffer-Hersteller sind eine Katastrophe. Die Navigation ist furchtbar, die Produktdarstellung unübersichtlich, es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, Videos ruckeln im Flash-Player und es fehlen sinnvolle Erklärungen zu Materialien und Ausstattungsvarianten. Zubehör wie Kleider- oder Packsäcke finden sich auf den Webseiten gar nicht. Rimowa hat darüber hinaus zwar eine sehr flashige und laute Einstiegsseite – dafür aber im aktuellen Katalog eine Serie (Topas Stealth), die man auf der Webseite nicht findet.
Besonders hervorzuheben: Wählt man bei Topas die Einschränkung “Multiwheel (4 Rollen)” aus, verschwindet plötzlich die 87-Liter-Version, obwohl sie über 4 Rollen verfügt. Deshalb bin ich auf diesen Glücksfund auch nur beim zehnten Mal ansehen aufmerksam geworden.
Fazit
Den Koffer, den ich will, fand ich wegen der schlechten Webseite nur durch Zufall – und zwar bei Rimowa.
Der Topas Silber mit 87 Litern bleibt mit 157,5 cm knapp unter der Freigepäckgrenze von 158 cm. Mit seinen 6,4 kg ist er 2,15 kg schwerer als mein aktueller Koffer (4,25 kg) ich kann aber auf Flugreisen in der Economy noch immer 16,6 kg zuladen. Wenn ich 100 Euro / Strecke extra zahle, kann ich bei der Lufthansa sogar bis zur Grenze von 32 kg, also 25,6 kg zuladen.
P.S: Am Anfang schrieb ich ja, dass man zwei Trolleys braucht. Den Großen habe ich nun gefunden und der passende Kleine ist der Cabin Multiwheel IATA mit 30 Litern (4,4 kg, 55 x 40 x 20 cm)









